Und wieder: Frankreich

Wir sind wieder unterwegs – endlich! Eigentlich wollten wir ja schon seit Ende März die europäischen Straßen unsicher machen, aber es sollte einfach nicht sein.

Da wir für diese Reise „nur“ sieben Wochen Zeit haben, beschlossen wir, noch einmal in die Bretagne zu reisen, die es uns im vergangenen Jahr so angetan hatte. Aber den direkten Weg zu nehmen, wäre zu einfach. Daher beschlossen wir, einen Umweg über Bordeaux zu machen. Und da liegt die Loire sozusagen auf dem Weg.

Aber der Reihe nach:

Übernachtung in Limbourg (Belgien), 16./17. Mai 2026

Es war das Himmelfahrt-Wochenende, an dessen Samstag wir wir aufgebrochen sind, dementsprechend ausgebucht waren die Campingplätze. Daher hatten wir wohlweislich die erste Woche bis nach Pfingsten vorgebucht.

Unsere Wahl fiel auf einen Platz im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden in der Nähe von Aachen. Es war ein schöner Platz in einem kleinen Dorf ohne nennenswerte Eigenschaften. Einziger Vorteil: Auf dem Weg zur Autobahn am nächsten Morgen konnten wir immerhin für nur 1,99 € tanken.

Und wieder Frankreich: An der Loire

Am nächsten Morgen ging es weiter an die Loire, nach Orléans. Allerdings war der Weg dorthin nicht ohne, über 500 km, was mit dem WoMo für uns schon viel ist. Viel schlimmer war es, dass wir über Paris fahren mussten, denn in Frankreich führen alle Wege nach Paris.

Wir erreichten die französische Hauptstadt am Nachmittag, zeitgleich mit Tausenden Parisern, die das Himmelfahrtswochenende für eine Auszeit außerhalb der Stadt genutzt hatten. Entsprechend voll waren die Autobahnen. Um den Hauptstau zu umfahren, lotste uns Google auf eine andere Route, die sich auch ganz gut befahren ließ. Als wir Paris fast schon geschafft hatten, die große Überraschung: Die Autobahn hatte eine Höhenbeschränkung mit zwei Metern. Gut, dass Dieter das im letzten Moment noch gesehen hatte und von der Autobahn abgefahren ist. Da wir natürlich keinen Schimmer hatten, wie wir weiterkommen sollten, waren wir erst recht auf Google angewiesen. Der erste Vorschlag ging nicht, wir durften nicht links abbiegen. Daher einen anderen Weg versucht, soweit alles gut, rund 20 Minuten durch einen Vorort von Paris gegurkt – und siehe da: eine Autobahnauffahrt. Und wieder: höhenbeschränkt mit zwei Metern. Also ein Stück zurück, im dritten Versuch haben wir dann den Weg raus aus Paris gefunden; allerdings hieß es jetzt Landstraße fahren. Am Ende haben wir es noch nach Orléans geschafft, genauer gesagt, in das kleine Örtchen Chécy, wo wir einen Campingplatz (Camping municipal „Les Patures“) gebucht hatten.

Orléans, 17. bis 19. Mai 2026

Am nächsten Tag ging es mit den Rädern in die Stadt der Heiligen Johanna. 11 km waren zu bewältigen, immer der Loire entlang – eine wirklich schöne Radtour.

In Orléans selbst steht fast die ganze Stadt unter dem Eindruck der Jeanne d’Arc, die am 8. Mai 1429 quasi im Alleingang die Stadt von den Engländern befreit hatte.

Zunächst ging es in die Kathedrale von Orléans, der Cathedrale Sainte-Croix á Orléans, wie sie offiziell heißt, ein sehr beeindruckendes Bauwerk, das immerhin so groß wie Notre Dame in Paris ist. Sie gehört zu den fünf größten gotischen Kathedralen Frankreichs. Sie ist weitgehend im nachgotischen Stil gebaut und wurde 1601 eröffnet.

Nach einem leckeren, späten Mittagessen spazierten wir noch ausgiebig durch die Stadt. Allerdings war das Wetter immer noch etwas unwirtlich, was den Spaß an dem Spaziergang etwas genommen hat.

Dabei kamen wir auch am botanischen Garten vorbei, den wir uns ebenfalls zu Gemüte führten. Für die Frühlingsblüher waren wir allerdings zu spät dran, auch Akazien und Rhododendron hatten fertig. Rosen und Seerosen blühten bereits, die Hortensien leider noch nicht. Dafür gab es große Bäume zu bewundern.

Danach ging es weiter Loire abwärts Richtung Tours. Auf dem Weg dorthin besuchten wir Schloss Chambord.

Chateau Chambord, 19. Mai 2026

Dieses Schloss ist das größte der Loire-Schlösser und verfügt über 440 Räume, die wir zum Glück nicht alle besichtigten. Da es nicht, wie viele andere Schlösser auf einem Hügel oder Berg liegt, sondern in der Ebene hatte man Platz und konnte sich „austoben“.

Das architektonische Highlight des Schlosses ist eine doppelläufige Wendeltreppe, an der Leonardo da Vinci mitgewirkt haben soll. Sie besteht aus zwei ineinander verschränkten Spiralen, die dazu führen, dass zwei Personen, die gleichzeitig hinauf- und hinabgehen sich nicht begegnen. Privatspähre war hier angesagt. Franz I. wollte sich mit dem Schloss ein Denkmal setzen, bewohnte es aber nur 19 Nächte – und es war noch nicht einmal fertig. Die französischen Könige Ludwig IVX. und Ludwig VX. bauten zwar weiter, aber erst Moritz von Sachsen rettete das Schloss vor dem Verfall und ließ es wieder herrichten.

Neben der Wendeltreppe, die die Mitte des Gebäudes bildet, verfügt es über 70 weitere Treppen. Weiterhin charakteristisch für Chambord sind die vielen Türmchen, die die sechs Haupttürme zieren.

Und hier die schicke Wendeltreppe:

Einige Räume waren möbliert, so dass man sich das Leben bei Hofe besser vorstellen konnte. Interessant dabei ist auch, dass der Hofstaat komplett mit Mann und Maus, aber auch mit allen Möbeln weiterzog, so dass die Schlösser komplett leer waren, wenn der König nicht vor Ort weilte.

Gelebt, regiert, sich amüsiert wurde fast immer im Schlafzimmer. Daher sieht man auf dem Bild oben das Bett Ludwigs XV. Auch Gäste wurden hier empfangen.

Nach diesen interessanten drei Stunden ging es weiter Richtung Tours, in das Örtchen Vouvray, wo wir auf dem Campingplatz Le Bec de Cisse einen Platz hatten.

Tours, 21. bis 23. Mai 2026

Nach der schönen, aber eher ungemütlichen Besichtigung von Château Chambord erreichten wir am Abend das nette Städtchen Vouvray, wo wir den Campingplatz gebucht hatten. Hier waren alle Zeichen auf den Weinanbau gesetzt. Auf der nur kurzen Fahrt bis zum Campingplatz kamen wir bestimmt an fünf verschiedenen Möglichkeiten, Wein einzukaufen, vorbei. Obwohl wir nur nicht lange vor Ort waren, hat uns Vouvray als Örtchen und als Ausgangspunkt für die Besichtigung von Tours sehr gut gefallen.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Dorf am nächsten Morgen fuhren wir gegen Mittag ganz entspannt mit den Rädern immer der Loire entlang nach Tours und waren geflasht, als wir ankamen.

Wieder einmal war die Kathedrale unser erster Anlaufpunkt. Nach den vielen Kirchen, die wir in Frankreich bereits besichtigt haben, stach diese erneut durch ihre wunderschöne Glasfenster, die zum Teil über 400 Jahre alt waren, hervor. Darüber hinaus dominierte eine monströse Orgel des Seitenschiff. Unser Glück war, dass gerade gespielt wurde – welch ein Klang!

Danach ging es weiter, zunächst an der 400 Jahre alten Libanon-Zeder vorbei, die im Klostergarten gleich um die Ecke stand.

Ein Spaziergang zu den Markthallen führte uns durch die Stadt, und wir staunten nicht schlecht, wie schön und wie quirlig und lebhaft Tours ist.

Frohen Mutes fuhren wir nach einem Aperol Spritz wieder zum Campingplatz zurück, dieses Mal auf der anderen Seite, auf dem offiziellen Loire-Radweg.

Nach insgesamt vier Stationen an der Loire (im vergangenen Jahr Saumur und Sancerre, in diesem Jahr Orleans und Tours) ist unser Fazit: eine wunderbare Gegend, in der sich Radfahren mit Weindegustation und Kultur aufs Beste verbinden lässt, und das nicht nur wegen der vielen Schlösser, von denen wir letztlich auch nur zwei gesehen haben.

Die Loire ist weiterhin für uns ein faszinierender Fluss, sie ist einer der letzten großen Flüsse in Europa, der noch vollständig natürlich in seinem Bett fließt und daher auch nicht schiffbar ist. Man sieht weder Fischerboote noch Freizeitkapitäne und auch keine Radwanderer mit Kanus. Die verschiedenen Radtouren, die wir während der beiden Besuche hier gemacht haben, boten immer wieder tolle Blicke und Sichten auf diesen wunderbaren Fluss.


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